Netzwerke in DOS und Windows 3.x
Kleine Vorgeschichte¶
Jo, ein Kumpel brachte mich darauf, dass früher die DOS und Windows Netzwerke über NetBEUI kommuniziert haben.
Ich persönlich kann mich eigentlich nur noch an meine ersten LAN-Partys erinnern, wo wir alles mit BNC - Koaxkabel mit Terminatoren an den Enden der Strecke - vernetzt haben:

Das funktionierte oft mehr schlecht als recht und war mehr Gefummel als Ahnung von der Sache.
Begriffe wie Packetdriver, Novell und Odi flogen mir da um die Ohren.
Als dann Windows 95 aufkam mit TCP/IP serienmäßig, war das ganze dann einfacher.
Was ist NetBEUI?¶
Ich versuche es mal leicht vereinfacht:
NetBEUI kommuniziert mit dem NetBIOS (Microsoft-Protocol-Stack). Das IP-Protokoll (Internet Protocol) hat NetBEUI als Transportprotokoll ersetzt.
NetBIOS ist eine API (Programmierschnittstelle) zur Kommunikaton zweier Netzwerkpartner. Dabei belassen wir es.
Das NetBEUI Protokoll ist klein, schnell, aber nicht routingfähig.
Über MAC-Adressen (Media Access Control), z.B. 00:80:41:ae:fd:7e, und Hostname, z.B. Highscreen, wurden die Quell- und Zielcomputer identifiziert.
Heutzutage nutzt man dafür IP-Adressen, z.B. 192.168.1.69. Der Hostname wird dabei über DNS (Domain Name System) in eine IP-Adresse übersetzt und im lokalen Netz über ARP (Address Resolution Protocol) in die MAC-Adresse aufgelöst.
NetBEUI gehört bei Windows für Workgroups 3.11 zu den Bordmitteln, um Vernetzung von Windows-Rechnern zu ermöglichen.
Quellen: Wikipedia-DE
Die Möglichkeiten heute¶
Der native Weg¶
- Alte Protokolle wie NetBEUI, IPX/SPX direkt in ein modernes Netzwerk bringen
- Ergebnis: Auf DOS und Windows wird keine Zusatzsoftware benötigt, jedoch müssten heutige Betriebssysteme und Serverdienste ordentlich verbogen und/oder in eine Emulation gezwungen werden
Der hybride Weg¶
- DOS/Win 3.x nutzt TCP/IP und damit zum Beispiel das klassische SMB-Protokoll (Server Message Block), um sich direkt an eine Samba-Freigabe zu hängen
- Eregebnis: Auf dem Client nutzt man nur Bordmittel oder offizielle MS-Erweiterungen. Auf Serverseite muss SMBv1/NTLMv1 freigeschaltet und konfiguriert werden
Der Anwendungs-Weg¶
- Kein Netzwerk-Stack, sondern minimales Setup aus Pakettreiber (der Netzwerkkarte) und den Werkzeugen, wie z.B. FTP, HTTP etc.
- Ergebnis: Funktionen auf's Wesentliche beschränkt, geringer Footprint
Welcher Weg ist zu wählen?¶
Mit zu tiefgründigem, technischem Geplänkel wollen wir uns nicht aufhalten.
Die Entscheidung für eine der Varianten hängt vom primären Einsatzzweck, der genutzten Betriebssystemumgebung (DOS oder Windows 3.x) sowie der serverseitigen Kompatibilität ab:
- NetBEUI (nativer Weg): native Unterstützung für moderne Systeme zu aufwändig, muss virtuell und über Emulation geschehen, Konfigurationsaufwand hoch
- IPX/SPX (nativer Weg / Spezialfall): möglich, heutzutage nicht mehr genutzt, daher Spezialfall, um DOS-Spiele zu vernetzen eine Überlegung wert, da es dafür zur Zeit vor Windows 95 der Standard war
- TCP/IP + SMB (hybrider Weg): Sehr verbreitet, moderne wie auch zeitgemäße Zusatzsoftware für DOS/Win 3.x verfügbar, auf modernen Betriebssystemen Standard, Verwendung von Netzlaufwerken möglich zum Datenaustausch retro <--> modern
- mTCP (Anwendungs-Weg): Sonderfall rein für DOS; nach Laden eines Pakettreibers der Netzwerkkarte wird alles vom Programm erledigt, Übertragung erfolgt auf Anwendungsebene über Protokolle wie FTP und HTTP
Den nativen Weg lasse ich in diesem Beitrag aus. Wir kümmern uns um die drei machbaren Wege.
Kleines Glossar¶
| Was ist? | Ausgeschrieben | Erklärung |
|---|---|---|
| API | Application programming interface | Programmen Anbindung an ein System ermöglichen |
| ARP | Address Resolution Protocol | Wandelt IP-Adressen in lokale MAC-Adressen um |
| DNS | Domain Name System | Übersetzt lesbare Hostnamen in IP-Adressen |
| IP-Protokoll | Internet Protocol | Adressiert und routet Datenpakete in Netzwerken |
| IPX/SPX | Internetwork / Sequenced Packet Exchange | Altes Novell-Netzwerkprotokoll für DOS und Retro-Spiele |
| FTP | File Transfer Protocol | Neztwerkprotokoll zum gezielten Übertragen von Dateien |
| HTTP | Hypertext Transfer Protocol | Protokoll zur Übertragung von Webseiten und Dokumenten |
| MAC-Adresse | Media Access Control | Eindeutige physikalische Kennung einer Netzwerkkarte |
| NetBEUI | NetBIOS Extended User Interface | Schnelles, nicht-routingfähiges Transportprotokoll alter Windows-Systeme |
| NetBIOS | Network Basic Input Output System | Schnittstelle für die Kommunikation von Netzwerkanwendungen |
| NTLM | NT Lan-Manager | Klassisches Microsoft-Verfahren zur Authentifizierung im Netzwerk |
| Samba | - | Open-Source-Software für Windows-Dateifreigaben unter Linux |
| SMB | Server Message Block | Netzwerkprotokoll für Datei- und Druckerfreigaben |
IPX/SPX - Netzwerk für Spiele¶
TBD
TCP/IP + SMB - Datenaustausch¶
Hinweis: Ich gehe hier auf die Nutzung mit Windows für Workgroups 3.11 ein. Für andere 3.x Windows KANN es funktionieren.
Die Retro-Seite¶
Für ein TCP/IP-Netzwerk in Windows für Workgroups 3.11 setze ich voraus, dass bereits eine Netzwerkkarte samt Treibern funktionsfähig installiert ist.
Eine 3com Etherlink III Installation und Einrichtung führe ich gerade selbst durch, daher gibt es dazu einen kurzen Auszug.
Bevorzugt ist ein NDIS 3 Treiber, NDIS 2 funktioniert aber über Wrapper auch.
3com Etherlink III¶
Da ich selbst gerade mit einer 3com Etherlink III Karte probiere, dokumentiere ich das in Stichpunkten mit.
Treiberdiskette: 3C5x9_DOS31.IMA
Ablauf:
- Gesamte Diskette kopiert nach:
C:\3COM\DRVDISK - WfW 3.11 starten, Programmgruppe Netzwerk, Netzwerk-Setup aufrufen
- Auf Treiber... klicken, die Netzwerkkarte löschen
- Adapter hinzufügen... "Nicht aufgeführter oder aktualisierter Netzwerkadapter"
- OK und ich gebe mein o.g. Verzeichnis an mit dem Unterordner WFW311:
C:\3COM\DRVDISK\WFW311 - Adapter auswählen, OK
- Microsoft NetBEUI und IPX/SPX wird automatisch mit aufgeführt
- Einstellungen... E/A-Schnittstelle stelle ich
360hein, weil ich das so auf der Netzwerkkarte konfiguriert habe, Standard ist300h - Treibertyp wähle ich "Erweiterter Modus NDIS-Treiber" aus
- Bestätigen mit OK, Schließen
- Wieder OK
- Installationsdialog -> Alle ersetzen auswählen
- Ggf. Windows Installationsdisketten einlegen
- Computer neustarten
- Windows starten
- Ab dann setze ich die Installation mit dem TCP/IP-Stack fort
Den TCP/IP-Stack installieren¶
Hier nun zur Installation von Microsoft TCP/IP-32 3.11b.
Disk Image: TCP32B.IMA
Ablauf:
- WfW 3.11 starten, Programmgruppe Netzwerk, Netzwerk-Setup aufrufen
- Auf Treiber... klicken
- Protokoll hinzufügen... "Nicht aufgeführtes oder aktualisiertes Protokoll"
- OK und Diskette einlegen (s.o.), A:\ oder je nach Laufwerk und OK
- Protokolle: "Microsoft TCP/IP-32 3.11b" erscheint, OK
- Kopiervorgang startet
- Nach Abschluss erscheint die Netzwerktreiber-Übersicht wieder, hier ist jetzt das Protokoll aufgeführt
- Schließen und im nachfolgenden Fenster OK
Ein Konfigurationsdialog für TCP/IP erscheint.
Konfigurationsdialog:
- Adapter lasse ich meine 3Com EtherLink III (3C5X9) ausgewählt
- Enable Automatic DHCP Configuration anhaken, Bestätigung mit Ja
- Default Gateway eintragen:
192.168.178.1zum Beispiel bei einer FritzBox - Die beiden WINS Server Felder leer lassen
- DNS, Host Name Highscreen386, OK
- Advanced, keine Konfiguration, OK
- Allles bestätigen mit OK
- Aufforderung Computer neustarten, dem nachkommen
- Neustarten
Setup testen¶
Nachdem WfW 3.11 wieder gestartet wurde über die Hauptgruppe in die MS-DOS Eingabeaufforderung gehen und diverse Tests durchführen.
Ping:
ping 8.8.8.8
ping google.de
ping heise.de
Traceroute:
tracert google.de
tracert heise.de
Diese sollten alle erfolgreich ablaufen.
mTCP - Simples DOS-Netzwerk¶
TBD